Hersbrucker Zeitung am 15.10.13

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Hersbrucker Zeitung am 15.10.13

Bild hinten von links: Siddique Eggenberger, Tanja Fleischanderl, Astrid Mathyshek, Julia Renz-Köck, Karin Brandt, Fabienne Carry, Katrin Bräunlich.
Vorne sitzend von links: Anja Fiedler, Regina Domjan, Pianistin Regina Kleinhenz, Prof. Ingeborg Hallstein, Pianistin und musikalische Leiterin Denette Whitter, Elena Bechter und Julia Walsh.

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Bild: Johann Dechant

Abschlusskonzert des Meisterkurses mit Professorin Ingeborg Hallstein
Stehende Ovationen für zauberhafte Operettenklänge

Wer bei einem Meisterkurs mit Professorin Ingeborg Hallstein dabei sein will, muss sich frühzeitig anmelden. Auch bei der dritten Auflage in Henfenfeld war die Nachfrage sehr groß. Die Kursteilnehmer kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz, Österreich und Ungarn. Zum Abschluss des einwöchigen Kurses gab es ein Abschlusskonzert, in dem dieses Mal die Operette dominierte.

Wegen „Überfüllung geschlossen“ hieß es schon 30 Minuten vor Konzertbeginn. Denette Whitter freute sich über den Besucheransturm und blickte auf eine wunderbare Woche zurück. Den Part am Klavier teilte sie sich mit Regina Kleinhenz, die Korrepetitorin bei Prof. Hallstein ist.

Ein herrliches Duett bildete den Auftakt der Operettensoirée. Katrin Bräunlich (Sopran) und Siddique Eggenberger (Tenor) sangen aus Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ das berühmte „Komm mit nach Varasdin“.

Mit dem Lied der Elisa „Liebe, du Himmel auf Erden“ aus Franz Lehárs „Paganini“ bezauberte Karin Brandt das Publikum. Eine sehenswerte Garderobe und ein samtiger Sopran zeichneten den Auftritt aus.

Ebenfalls von Lehár stammt die „Lustige Witwe“. Das Waldmägdelein im „Vilja-Lied“ wurde von der Sopranistin Fabienne Carry virtuos in Szene gesetzt. Bravo-Rufe aus dem Publikum waren Lob für diese Inszenierung.

Stilechter als die ungarische Sopranistin Regina Domjan kann man nicht auftreten. In traditioneller ungarischer Festtracht bot sie „Hör‘ ich Cymbalklänge“ aus Lehárs „Zigeunerliebe“ mit einem faszinierenden Timbre an. Spritzig und mit vielen Koloraturen gespickt war ihr „Csárdás“, ein Augen- und Ohrenschmaus.

Ein echtes Lied der Walzerseligkeit stellte Julia Renz-Köck mit „Heut‘ könnt einer sein Glück bei mir machen“ aus Leo Falls „Madame Pompadour“ vor. Ihr feiner Sopran und die vorzügliche Artikulation gefielen dem Publikum.

„Ach, wie so herrlich zu schau‘n“, den berühmten Lagunenwalzer aus „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss, sang der Tenor Siddique Eggenberger. Seine Ausstrahlungskraft, seine wunderbare Mimik und virtuoser Gesang hinterließen tiefen Eindruck.

Viel Temperament zeigte die jüngste Kursteilnehmerin Elena Bechter, als sie mit frischem Sopran die „Juliska aus Budapest“ aus der „Maske in Blau“ von Fred Raymond anbot. Für ihren fabelhaften Gesang erntete sie Bravo-Rufe vom Publikum.

Vorzügliches Schauspiel gepaart mit feinem Gesang zeigte die Sopranistin Julia Walsh beim „Schwips-Lied“ aus „Eine Nacht in Venedig“. Ihr Lachen veranlasste das Publikum zu Szenenbeifall, ihr Bewegungsablauf war genial. Tosender Beifall und Bravo-Rufe war dies dem Publikum wert.

Die Arie der Adele „Mein Herr Marquis“ aus der Fledermaus von Johann Strauß sang die junge Sopranistin Astrid Mathyshek. In einer zauberhaften Garderobe pries sie kokett ihre körperlichen Vorzüge an. Ihr Outfit steigerte sie nochmals, als sie in der Rolle der Sissi „Ich wär so gern einmal verliebt“ mit melancholischem Gesang die Wünsche der österreichischen Kaiserin mitteilte. Eine besondere Einlage war dabei ein Tanz mit einem Herrn aus dem Publikum.

Frisch und fröhlich präsentierte die Sopranistin Tanja Fleischanderl „Ich bin die Christel von der Post“ aus „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller. Die Österreicherin setzte dabei vorzüglich ihre Mimik und Gestik ein und brachte dabei viele Beine zum Wippen.

Vor Energie sprühte Anja Fiedler (Sopran) als sie jauchzend „Erklingen zum Tanze die Geigen“ aus dem „Schwarzwaldmädel“ von Leon Jessel sang. Die junge Sängerin begeisterte das Publikum.

Feurig und leidenschaftlich zeigte sich Katrin Bräunlich, als sie „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ aus Lehárs Giuditta anbot. Mit ihrem wunderschönen Vibrato riss sie die Zuhörer mit.

Den Abschluss bildete „Ein Paradies am Meeresstrand“ aus der „Blume von Hawaii“ von Paul Abraham. Nach einem Duett von Siddique Eggenberger und Astrid Mathyshek versammelten sich alle Künstler im Saal und sorgten für einen gewaltigen Schlusschor.

Ingeborg Hallstein bedankte sich in ihrem Schlusswort bei Denette Whitter für deren „Mammutaufwand“ und beim Publikum, das den Künstlern viel Freude bereitet hatte. Dieses wiederum belohnte dieses fabelhafte Konzert mit frenetischem Beifall und stehenden Ovationen.

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Bild: Johann Dechant

Zur Person Ingeborg Hallstein:

Sie liebt das Leben und die Musik

So, da sitze ich nun auf Schloss Henfenfeld und unterhalte mich mit der Frau, die ich früher im Fernsehen bewunderte. Professor Ingeborg Hallstein sitzt mir gegenüber, eine der bedeutendsten Koloratursopranistin des 20. Jahrhunderts, nämlich in der Zeit von 1960 bis nach 1980. Das Fernsehbild war anfangs noch schwarzweiß und es gab nur zwei Programme.

Auf diese Zeiten komme ich nun zurück, spreche mit einem echten „Münchner Kindl“ und stelle fest, dass ich doch nicht viel über sie weiß. Denn ich kenne nur ihre Fernsehauftritte als Operettenstar, speziell die Auftritte in Unterhaltungsshows. Dabei stand sie hauptsächlich auf den Opernbühnen.

Ingeborg Hallstein strahlt Frohsinn aus, das Plaudern mit ihr fällt einem leicht. So erzählt sie von ihrer Jugend, als sie im Elternhaus mit der Musik aufwuchs. Schon ihre Mutter Elisabeth war eine berühmte Vokalistin. Zuerst wurde sie spielerisch unterrichtet. Als sie 16 Jahre jung war, begann bereits ein richtiges Gesangsstudium. Perfektion im Singen, das forderte schon ihre Mutter.

Mit 21 Jahren erhielt sie ihr erstes Engagement am Passauer Stadttheater. Hallstein empfindet dies genau als den richtigen Rahmen, für ihr damaliges Alter war das relativ kleine Haus passend. Sie gab dort die „Musetta“ in Puccinis „La Boheme“.

Nach einem Jahr in Basel kam sie zurück nach München. Nach einem Vorsingen im Gärtnerplatztheater erhielt sie einen Zweijahresvertrag. Auf die Frage, wie sie ins Fernsehen kam, kommt eine ehrliche Antwort: „Sängerinnen mit adrettem Aussehen waren eben sehr gefragt“.

Zu dieser Zeit gab sie Gastspiele an fast allen großen Opernhäusern der westlichen Welt.

Sie arbeitete mit namhaften Dirigenten zusammen. Schließlich traf sie auf Herbert von Karajan, den damals viele Künstler fürchteten , sie nicht. Bei der Wiedereröffnung des „Theaters an der Wien“ sang sie eine ihrer Paraderollen, die „Königin der Nacht“ aus Mozarts „Zauberflöte“. Zeitgleich erhielt sie auch einen Exklusivvertrag bei der „Deutschen Grammophon“ und nahm zahlreiche Opern, Operetten, Musicals und Kunstlieder auf.

Am Ende ihrer Gesangskarriere hat sie, im Gegensatz zu manch ihrer Kolleginnen, nie gelitten. Nach ihren eigenen Worten wechselte sie einfach das Gleis. Als ihr 1979 eine Gesangsprofessur angeboten wurde, zögerte sie zwar anfangs, da sie sich nicht „in ein Korsett einzwängen“ lassen wollte. Doch bald stellte sich auch hier ihre Begabung heraus und die Lehrtätigkeit machte ihr Spaß. Hallstein erklärt das so: „Man muss sein hohes Niveau bis auf die Basis herunterschrauben, dann kann man Freude beim Aufbau eines Sängers bekommen“.

Viele ihrer Künstlerkollegen haben hier Probleme, sie weigern sich, mit „Dilettanten“ zu arbeiten. Zugleich stellt sie aber auch klar, dass nicht jeder Sänger eine tolle Karriere machen könne, „von einer Handvoll schafft nur einer den internationalen Durchbruch“.

Auf die Präsenz ausländischer Sänger an deutschen Musikhochschulen angesprochen, stellt sie klar, dass es für die meisten Asiaten wichtig sei, in Deutschland Zertifikate zu erwerben. Damit schaffe man sich die Voraussetzung für eine Professur im eigenen Land.

Zum Schluss fragte ich Hallstein, warum gerade bei ihr, auch in höchsten Tonlagen die Texte immer verständlich bleiben. Dies sei ihre Maxime, lautet ihre Antwort. Das Publikum hat ein Anrecht darauf, alles zu verstehen. Dies ist auch ihr Anspruch an ihre Schüler und führt es mit dem Wort „Papageno“ vor, denn es kostet Kraft, ein „P“ deutlich zu sprechen und zu singen. Sie lehrt, dass Vokale und Konsonanten deutlich gesungen werden müssen, Liedverse auch mit Punkt und Komma. Am Schluss gesteht Hallstein, dass sie eine Devise von Elisabeth Schwarzkopf übernommen habe: „Je größer der Raum, desto deutlicher muss gesungen werden“.

 

Johann Dechant

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