Hersbrucker Zeitung am 22.10.18

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Hersbrucker Zeitung am 22.10.18

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Bild: Johann Dechant

Treffen der Rolandschachtbrüder auf Schloss Henfenfeld
Von Henfenfeld hinaus in die weite Welt

HENFENFELD – Ein besonderes Treffen fand auf Schloss Henfenfeld statt: Die Brüder des Rolandschachts trafen sich vor der Walz. Zu dem Treff kamen 25 Handwerksgesellen aus einem Bereich zwischen Flensburg und Österreich. Gegründet wurde der „Schacht“ 1891 in Nürnberg, seinen Namen bekam er von Gesellen aus Bremen, denn dort steht der „Roland“.

Auffallend sind sie auf jeden Fall, auch wenn sie nicht gerade haufenweise auftreten. In Henfenfeld kamen sie zusammen, um sich auszutauschen und letzte Tipps der „Exportgesellen“ zu erhalten. Diese sind schon länger reisende und erfahrene Wandergeselle.

Wenn ein Geselle auf die Wanderschaft geht, auch Walz genannt, gelten strenge Regeln . Zuerst die Dauer: Diese muss mindestens drei Jahre und einen Tag betragen. In dieser Zeit gilt eine „Bannmeile“ von 60 Kilometern rund um den Heimatort, der nicht betreten werden darf. Das Tragen der maßgeschneiderten Kluft ist Pflicht. Hier kann man auch das Handwerk des Gesellen erkennen, im Rolandschacht überwiegt die Farbe schwarz für das Holgewerke. Trifft man einen Wanderer in Grau oder Beige, so ist dieser im Steinhandgewerke tätig.

Ein traditionelles Utensil ist der „Stenz“, ein gewundener Wanderstab, den sich jeder Geselle im Wald selbst suchen muss. Ein besonderes Gepäckstück ist der „Charlottenburger“, dieser ist ein bedrucktes Tuch 80 mal 80 Zentimeter groß mit Motiven des Schachtes. Darin wird das gesamte Hab und Gut des Wandergesellen kunstvoll verpackt. Draus könnte das bekannte „sein Bündel packen“ entstanden sein.

Interessante Informationen waren von den Teilnehmern zu erfahren. Es ist wahrlich ein hartes Brot, was den Wandergesellen kredenzt wird, denn ein Handy oder Smartphone ist absolut verboten. Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist verpönt, es gilt per Pedes oder höchstens per Anhalter die Lande zu durchqueren. Die Frage was bei einem Todesfall eines nahestehenden Familienangehörigen geschieht, zeigt schon Härte auf: Maximal für einen Tag darf die Walz unterbrochen werden, dabei ist Pflicht, dass ein zweiter Bruder dabei sein muss, wenn die Bannmeile betreten wird. Zum Glück sind diese Vorfälle relativ selten.

Interessant ist die Nachfrage nach der Symbolik der Kleidung. Die Kluft und der obligatorische Hut, stets mit Krempe als Zylinder, Schlapphut oder Melone sind schnell erkennbar. An der Jacke befinden sich sechs Perlmuttknöpfe, welche die Arbeitstage darstellen sollen. Die Weste zieren acht Knöpfe, je einer für eine Arbeitsstunde. An den Ärmeln finden sich jeweils drei Knöpfe: Auf der einen Seite für die Lehrjahre, die andere für die Wanderjahre.

Eine völlig neue Erfahrung war den HZ-Mitarbeiter die Aufnahme des Gruppenbildes. Hier stellte sich die Gruppe nicht nur auf, sondern bedachte den Fotografen während der Aufnahme mit einem Lied, hier war die Opernakademie sogar ein zutreffender Ort.

Johann Dechant

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