Hersbrucker Zeitung am 22.11.18

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Hersbrucker Zeitung am 22.11.18

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Bild: Johann Dechant

Karin Friedlis Projekt „Gertrude goes Opera“
Ein Clown mit wunderbarer Musik

In einer Abschlusspräsentation ihres Clownkurses schuf Karin B. Friedli die Gestalt „Gertrude“. Nachdem sie auch eine fundierte klassische Sängerausbildung hat, wurde daraus „Gertrude goes Opera“. Die Schweizer Sopranistin vereinte dabei ihre beiden Talente, als Clown und Sängerin.

Die Uraufführung fand im September im Berner „Katakömbli“ statt. Nachdem Friedli in Henfenfeld oft zugegen ist, wurde das Schloss zum zweiten Spielort. Für die eingespielten Klavierpartien des Stückes war Denette Whitter zuständig.

Der Rote Saal des Henfenfelder Schlosses wurde zur Kleinkunstbühne, als der Prolog im Dunkeln hörbar wurde: Die Geburt von Gertrude. Gleichzeitig hört man die Meldung, dass in dieser Nacht die berühmte Sängerin Maria Callas verstorben sei. Dazu erklingt im Nachruf ihr berühmtes „O mio babbino caro“.

Friedli beschränkt sich nur auf wenige Worte, sie erzählt mit viel Mimik und Gestik die Geschichte. Nachdem Gertrude ein ausgesprochen hässliches Baby ist, wird sie von ihrer Mutter verstoßen und wächst in einem Waisenhaus auf. Dort wächst sie heran und schon bald fällt ihr außergewöhnliches Gesangstalent auf. Allerdings hat Gertrude zwei Probleme: Sie kann ihr eigenes Spiegelbild nicht ertragen und auch nicht vor Publikum singen.

In der Schulzeit erhält sie eine Gesangsausbildung, dem Publikum bot sie daraus in Kurzeinblendungen, aus Carmen die Arie „Habanera“ an, zudem die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte“.

Nachdem Gertrude ein großer Fan von Maria Callas ist, gibt es ein besonderes „Ave Maria“ mit der Erweiterung „Callas“.

Alles funktioniert bestens, solange sie alleine ist, doch dann kommt der Tag, an dem sie vorsingen soll. Dies ist anfangs eine Katastrophe, denn Gertrude will nicht gesehen werden. Mit einem Trick erzeugt sie einen Kurzschluss und singt – im Dunkeln! Das Publikum, darunter viele Kinder, waren begeistert als sie das berühmte „Libiamo ne’ lieti calici“ aus Verdis „La Traviata“ sang. Beschwipst vom Sekt zeigte Friedli ihre herrliche Kunst als Clown. Nachdem sie ihr Diplom bekommen hat, will Gertrude an die Oper. Die erste Vorstellung funktioniert wunderbar, denn sie singt im menschenleeren Theater, nachdem sie alle Eintrittskarten selbst gekauft hatte. Doch wie soll es weitergehen? Sie hat eine Eingebung von Maria Callas, diese schlägt ihr vor, dass sie vor blindem Publikum singen soll. Das funktioniert auch ganz gut, Friedli sang dazu virtuos das bekannte „Un bel dì, vedremo“ aus Puccinis „Madame Butterfly“. Es stellt sich heraus, dass die „Blinden“ eine Finte waren, doch nun hat Gertrude ihre Angst besiegt und singt nun selbst das „O mio babbino caro“ ein weiteres Werk von Puccini.

Friedlis Auftritt war herrlich, gekonnt tänzelte sie mit den übergroßen Schuhen und verstand es, das Publikum zum Lachen zu bringen. Mit tosendem Beifall wurde sie dafür belohnt.

Johann Dechant

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